Motorräder für große Menschen. Lösungen für 2-Meter Leute

Headroom 2 Meter

Ganz aktuell: Fahrbericht Ducati Desert Sled hier auf MOTO VIE mit besonderem Fokus auf langbeinige Menschen.

 Was nicht passt, wird passend gemacht.

Dieser Beitrag ist für Menschen gedacht, deren Körpergröße weit über den Durchschnittswert hinausragt. Die Mehrheit davon dürften Männer sein. Das bedeutet nicht, dass Frauen hier ausgeblendet werden sollten. Möglicherweise ist für überdurchschnittlich große Frauen auch der eine oder andere Tipp dabei.

Die durchschnittliche Körpergröße in Deutschland nahm in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zu, liegt aktuell bei Männern bei 182 cm. Je nach Informationsquelle schwankt diese Angabe ein wenig. Wer stark aus der Masse herausragt, dessen Körpergröße wird oft mit dem Begriff „Gardemaß“ betitelt.

Dem Begriff „Gardemaß“ haftet aus unerklärlichen Gründen etwas Positives an. Das Maß war aber schon ab 1709 eher unbeliebt. Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I stand auf Riesen für seine Leibgarde. Riese bedeutete damals eine Mindestgröße von 1,88 Meter. Die Durchschnittsgröße war damals aber erheblich unter der heutigen, somit war Fritz‘ Auswahl nicht gerade üppig. Und wer keinen Nerv auf des Königs Leibgarde hatte, der tauchte ab oder machte sich aus dem Staub. Heute kommt man mit 1,88 Metern ganz gut klar. So ab 1,93 m wird’s schwierig. Die Auswahl an Bekleidung und Motorrädern schränkt sich langsam ein. Über 2 Meter wird es dann eng. Wichtigste Erkenntnis hier: Ohne individuelle Anpassungen ist so gut wie keine Maschine wirklich geeignet. Welche Anpassungen geeignet und sinnvoll sind, worauf zu achten ist und welche Erfahrungen diverse Fahrer mit unterschiedlichen Übergrößen gemacht haben, darum geht es in diesem Beitrag.

Vorweg: Ein häufig genannter Punkt ist die Optik. Klar sieht jedes Motorrad wie ein City-Bike aus, wenn ein Riese darauf Platz nimmt. Je größer die Maschine, desto weniger gravierender fällt das auf. Marcster aus dem Triumph Thunderbird-Sport-Forum merkt dazu an: „Sieht vielleicht alles komisch aus, ich muss es mir aber nicht anschauen“. Sehe ich genauso. Wem die Optik aus der Kombination Fahrer / Maschine weitgehend egal ist, der hat schon mal gewonnen. Menschen, die ihr Erscheinungsbild beim Vorbeifahren an Schaufensterscheiben checken müssen, haben eine enge Stirn und Auswahl. Den weniger Eitlen erschließt sich ein wesentlich größerer Kreis in Frage kommender Maschinen.

Bekleidung von der Stange

In den Läden der üblichen Verdächtigen gibt es große Größen. Aber in der Regel nur für Leute, die zu klein für ihr Gewicht sind. Horizontal ausladende Beinkleider mit einem Bund, der sich um jede Plauze schmiegt, sind überall zu bekommen. Dazu passende Gewänder, für deren Herstellung wahrscheinlich mehr als ein Tier sein Leben lassen musste. Zwei Schweine oder vier Kängurus sind geschätzt nötig, um eine gepflegte Wampe stilsicher für den Ausritt zu verpacken. Das man als Riese auch bei Polouis fündig wird, bestätigt Volker (siehe unten).

Allgemein lässt sich feststellen, dass das Angebot an Textilbekleidung wesentlich größer ist als an Lederware.

Update 19.01.17:
Seit einiger Zeit bietet Stadler eine Lederjacke namens Spirit an, die es auch in schlanken Größen bis 118 gibt. Das lässt hoffen, zumal die Qualität und Verarbeitung der im 70er-Jahre-Stil geschneiderten Jacke – glaubt man verschiedenen Tests im www – keine Wünsche offen lässt. Fakt ist, dass die Jacke mit knapp 800 Euro ganz weit oben auf der Preisskala angesiedelt ist. In der längsten Größe 118 sind für das Teil sogar knapp 880 Euro zu berappen. Mag die Qualität dem Ego schmeicheln, dem Konto fügt sie einen gewissen Schmerz zu. So eine Ausgabe ist nur zu rechtfertigen, wenn die Erben sie in zweiter und dritter Generation auftragen können.

Wesentlich günstiger sind die Jacken von Modeka, ebenfalls in Langgrößen erhältlich.

Bei der Suche nach der Jacke bin ich auf den bisher einzigen Shop gestoßen, der eine brauchbare Übersicht auf Übergrößen liefert. Gestaffelt ist das Angebot neben der Art der Kleidung und nach Größen für Schlanke und für Untersetzte. Zu finden unter https://www.moto-akut.de/.
Der Shop wird betrieben von der Moto-Thek in Waldkirch im Schwarzwald.

Bekleidung auf Maß

Schwabenleder schneidert auf Maß, das Modellprogramm ist bei dieser Option aber stark reduziert.

Alne ist ein ganz alter Hase, vor allem im Bereich von Lederkombis. Trifft meinen Geschmack nicht, ist aber qualitativ über alle Zweifel erhaben. Auf jeden Fall einen Besuch wert.

Ebenfalls im Bereich maßgeschneideter Kombis ist Held weit vorne. Mit bundesweit verteilten Handelspartnern kann die Pelle sehr passgenau auf den Leib geschneidert werden.

Eine lange Tradition hat die Firma Erdmann aus München. Früher trugen das die harten Jungs, wie Michael Mittermeier vor Jahren mal in einem seiner Sketche verkündete. Das Programm bei Erdmann hat auch einen gewissen Unterhaltungswert. Es müssen wirklich nicht immer angelsächsische Namensgebungen sein. Aber Jacken, die „Funkstreife“ oder „Jagdflieger“ heißen, klingen mir schon fast zu behördlich bzw. martialisch. Aber dazu muss sich der Chief Marketing Performance Manager bei Erdmann mit dem CEO committen.

Bei mir in der Nähe, aber überregional bekannt, ist die Firma Josef Joy in Holzwickede, ganz nah bei Dortmund. Wer nicht zu sehr herausragt, wird hier fündig. Joy gilt als Spezialist für alle Größen abseits der Norm. Meine Shoei-Jacke habe ich damals dort gekauft, beim Wunsch nach einer Lederjacke musste allerdings auch die Joy-Mannschaft passen. Bei Textiljacken und -hosen ist die Auswahl größer, hier findet man auch als Ü-2m-Mensch etwas.

Nachfolgend, abhängig von der Körpergröße, ein paar Tipps von mir und anderen „Langen“.

1,93 Meter

Sven, der Betreiber vom Bonneville-Blog, ist mit 1,93 Meter an der unteren Fahnenstange derer, die über Bekleidungsprobleme klagen können. Wie er schreibt, könnte seine Lederhose ein Stück länger sein. Mit passenden Jacken, Handschuhen und Stiefeln wird er von der Stange versorgt.

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Sven auf seiner Triumph-Bonneville. Passt!

2,03 Meter

Jacken

„Im Sommer trage ich eine Jacke von Stadler, Modell „Sundancer“ in Größe 118, auf der Messe für ganz schmales Geld erworben. Die Jacke ist eine sogenante Airflow-Variante, nichts für längere Trips, bei denen man sich auch auf Regenwetter einstellen sollte. Dafür habe ich eine uralte Shoei-Jacke aus Leder-Textilmix in Größe 62. Hier zeigt sich ein weiters Problem: Die Länge insgesamt ist stimmig, die Jacke ist aber zu weit. Das nervt beim Fahren, vor allem, wenn es nicht kalt genug ist und keine Unterkleidung nötig ist. Durch die breite Front steigt bei Autobahntempo der Winddruck unangenehm an. Shoei hat sich vor etlichen Jahren aus dem Bekleidunssektor zurückgezogen. Schade eigentlich, die Jacke ist hervorragend und immer noch absolut wasserdicht.

Seit einiger Zeit schiele ich auf Lederjacken, bin aber noch nicht fündig geworden. Die Dortmunder Messe habe ich mehrfach hinter mir, zahlreiche Jacken unterschiedlichster Qualität probiert und bin nie fündig geworden. Dainese wirbt mit Überlängen, bin aber aus dem Dortmunder D-Shop unverrichteter Dinge geflüchtet. Gleiches gilt für IXS. Nichts Passendes auf Lager und auch nicht bestellbar. Bleibt eigentlich nur die Auf-Maß-Variante.“

Hosen

„Ich trage an kalten Tagen eine Hose von Dane, in langen Größen bis 118 erhältlich. Eine richtig gute Qualität und Passform. Der Preis ist mit 359 Euro UVP eigentlich weit über meiner Schmerzgrenze. Auch hier sind wieder Kompromisse gefragt. Hat man ein Teil gefunden, das passend ist, darf man nicht zu sehr auf den Preis schielen. Zähne zusammenbeissen und die Patte plündern, sonst wird das nichts.

Sobald die Temperaturen zweistellig werden und es nicht nach Regen aussieht, fahre ich mit Lederhose. Seit Jahren ist eine protektorenfreie Hose im Einsatz, die selbst mir fast zu lang ist. Normalgroße setzen bei Lederhosen die Schere an, das war bei mir nicht nötig. Eng wird es wiederum bei Lederkombis, bei denen die Beinläge bereits „auf Maß“ geschneidert wird.“

2,06 Meter

Volker, als „seitwaerts“ in verschiedenen Foren unterwegs, sticht noch deutlicher aus der breiten Masse hervor. Er schreibt:

„Die grössten Probleme habe ich dadurch, dass meine Arme und Beine etwas überproportional lang sind. Ein sog. Stehriese also.
Hosen gehen meist noch, aber Jacken sind ein echtes Problem. Zumal ich sehr schlank bin. Die Hersteller bieten lange Beine und Arme aber immer nur für sehr kräftige Menschen an.
Schuhgrösse ist 49, auch ein Problem. Es gibt zwar einige wenige, aber die passen entweder nicht zu meinen Mop(p)eds, z.B. weil es Endurostiefel sind, oder sie sind schlichtweg unbezahlbar. Passende Handschuhe? Fehlanzeige. Ich habe noch keine gefunden.
Was habe ich derzeit für Leder? Die Hose ist eine Cafe-Racer von Louis, die Jacke von Polo. Arm- und Beinlänge sind einigermassen erträglich, die Arme könnten aber noch etwas länger sein. Handschuhe, im Winter von Baehr, im Sommer von Stadler. Schuhe… irgendwelche recht einfachen Stiefel von Louis.
Ich fahre übrigens auch auf den Mopeds im Lederdress.“

Trotz der langen Beine und Arme ist Volker bei Polo und Louis fündig geworden. Also lohnt sich auch hier ein Besuch.

Volker schreibt von seinen „Mopeds“. Kommen wir also zu geeigneten Maschinen.

Motorräder für Große

„Fahr‘ doch ´ne BMW GS. Die ist so groß, die passt auch Dir“. Wie oft habe ich das schon gehört? Ich kann es nicht mehr hören! Kurz: Ich mag das Motorrad nicht. Es ist das meistverkaufte Motorrad in Deutschland, dementsprechend groß wird jetzt der Protest sein. Nein, es ist keine persönliche Abneigung gegen GS-Fahrer, es geht nur um die Maschine. Wenn eure Maschine beleidigt ist, dann haut sie weg.

Selbst eine GS ist für Leute über 2 Meter nicht zwingend passend. Beim Anpassen eines Motorrads an die ergonomischen Anforderungen seines Fahrers oder seiner Fahrerin ist die Sitzhöhe, die bei den sogenannten Reiseenduros teilweise exorbitant ist, von untergeordneter Bedeutung.

Viel Spaß hatte ich mit zwei Modellen von Honda auf den Kanaren: Eine SLR 650, sehr flink und wendig und trotzdem für Lange geeignet. Ebenso die XR 400, eine Hardenduro. Zum Fahren im Stehen kaum geeignet, dennoch sehr schön im Gelände. Besser aus der Stollenfraktion ist die BMW Xchallenge. Sehr hoch bauend, Abstände Sitzbank-Rasten und Lenker im Serienzustand schon ganz gut justiert. Wenn man hier individuelle Anpassungen vornimmt, ist es aus meiner Sicht die ideale Enduro für lange Menschen, die sich wirklich auch mal abseits vom Asphalt bewegen wollen.

Hilfe im Web

Auf der BMW-Website kann anhand der Körpergröße und Jeansgröße eine Liste mit passenden Motorrädern ausgewählt werden. Bei 2 Meter ist hier allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht. Dafür reicht die Jeanslänge bis 43. Liebe BMW’ler: Wo bitte bekommt man Jeans in 43er Länge? Bei 38 ist Ende. Und wer ist zwei Meter groß und hat eine Schrittlänge von 108 cm? Das geht doch allenfalls mit chirurgischem Eingriff. Interessant ist bei dem Konfigurator auch, dass die Anzahl der angezeigten Modelle immer gleich ist. Für 1,68 genau wie für 2 Meter. Eine Variante liefert erst der Wechsel des Geschlechts. Das kommt für mich aber nicht in Frage.

Im Blog Motorrad-Insider ist eine umfassende Liste zu finden, die zu jedem Modell die Sitzhöhe angibt und als erste Orientierung empfehlenswert ist. Es geht dort aber in erster Linie darum, eine Maschine zu finden, die im Stand noch sicher gehalten werden kann. Dieses Problem dürften Lange bei keiner Maschine haben. Demnach empfiehlt sich die Durchsicht eher für Menschen, die kleiner als der Duchschnitt geraten sind und eine Vorauswahl treffen möchten. Für manche Langen vielleicht trotzdem spannend.

Einen guten Hinweis liefert Cycle-Ergo, eine website mit vielen Motorradmodellen, auf denen der Fahrer und Beifahrer virtuell Platz nehmen können. Die Körpergröße justieren und schauen, ob’s passt. Ein Highlight ist die Möglichkeit den Lenker nach vorne zu versetzen. Ausprobieren lohnt sich, wenngleich die grafische Umsetzung etwas altbacken wirkt.
Dank an Flying Dutchie, ebenfalls TBS-Forum, für den Tipp.

Entscheidend für eine ergonomische Auslegung sind die Abstände Sitzbank-Fußraste, Sitzbank-Lenker sowie die Höhe des Lenkers und dessen Kröpfung und Breite. Dazu kommt noch der Abstand bzw. die Position des Fußbremshebels und des Schalthebels in Bezug auf die Rasten. Und so lassen sich auch viele Mittelklassemaschinen passend umbauen.

Welche Maschine denn nun?

Hier eine Auswahl an Maschinen, die ich selbst gefahren bin:

BMW Xchallenge: Als Hardenduro für 2-Meter-Menschen gut geeignet. Lenker ein wenig höher bauen, dann ist das Fahren im Stehen unproblematischer. Top!

BMW R nineT: Eindeutig im Serientrim zu klein, wenngleich ein anderer Lenker Abhilfe schaffen würde. Dennoch ist auch hier der Abstand Sitzbank-Fußraste zu klein. Nicht stimmig, wenngleich eine extrem faszinierende Maschine. Vielleicht hatte die Maschine auch nur die falsche Anpassung.

BMW GS 1200: Passt als Serienmaschine tatsächlich ganz gut, gefällt mir aber nicht.

Ducati ST2/ ST3 /ST4: Passt für eine italienische Maschine echt gut, auch hier mit den beschriebenen Anpassungen sicherlich geeignet. Anprobe lohnt, sofern man sich mit der Plastikhaut anfreunden kann.

Ducati Desert Sled: Aktueller Fahrbericht hier auf MOTO VIE

Husqvarna Nuda: Eine tolle Maschine. Aber nicht für mich. Ein Gefühl wie auf einem zu schnellen Barhocker.

Kawasaki GPZ 900: Lange her. Passte irgendwie, gibt aber bessere Alternativen.

Moto Guzzi Quota Bj. 92: Cooles Teil! Ich musste die Beine strecken, um mit den Füßen auf den Boden zu kommen. Eine ziemliche Wuchtbrumme, sicherlich technisch der GS unterlegen, dennoch ein schönes und außergewöhnliches Motorrad. Fühlte sich „stimmig“ an für meine Größe.

Moto Guzzi Stelvio: Der Nachfolger der Quota, technisch sicherlich besser, aber zu weichgespült. Sitzposition passt überhaupt nicht. Aber auch hier gilt: Was nicht passt, wird passend gemacht. Lenker und Rasten ersetzen, dann könnte es etwas werden. Nicht meine Welt.

Moto Guzzi Griso: Tolle Maschine, fühlt sich sehr ähnlich an wie die BMW R nineT. Also eigentlich unpassend für Lange.

Yamaha XT 500: Meine erste Maschine überhaupt. Passt eigentlich nicht. Das ist bei der ersten großen Liebe aber auch egal.

Yamaha XTZ 750 Super Ténéré: Unkaputtbar. Schönes, preisgünstiges Gefährt, das auch in Serienausstattung halbwegs passt.

Yamaha XS 750/ XS 850: Beide eigentlich nicht so recht passend. Lenker weiter nach vorne machte die Sache schon erträglicher. An der 850er hatte ich die Rasten von links nacht rechts getauscht (und umgekehrt). Eine interessante Low-Budget-Lösung, die bei diesem Modell funktionierte. So kamen die Rasten weiter nach hinten, was für einen entspannteren Beinwinkel sorgte.

Yamaha XS 400: Führerschein auf dem Modell gemacht. Passte irgendwie, ist aber vergleichsweise klein.

MZ ETZ 150: Geht eigentlich nicht. Eigentlich heißt: Wenn das Budget nicht passt, macht man sich eben etwas kleiner. Das Teil hatte ich auf einer Party von einem angeschiggerten Lehrer für 300 DM gekauft. Die Maschine hat viel Spaß bereitet, mich problemlos durch die Gegend geschaukelt und vor allem eins gelehrt: Es ist schietegal, wie es aussieht, wenn man draufsitzt. Züchtet ein dickes Fell für das Schlachtfeld der Eitelkeiten.

Honda XR 400: Wieselflink und eigentlich auch zu klein. Anpassungsbedarf durchgesetzt und es könnte auf Dauer etwas werden.

Honda SLR 650: Eine Brot & Butter Maschine. Passte, wenngleich es sicherlich bessere Lösungen gibt. Dennoch eine Probe wert.

BMW K1200 RS: Sitzposition nahzu optimal. Dazu ein paar Einstellmöglichkeiten. Dennoch nicht meine Welt. Zu viel Plastik, zu wenig Vibration.

Triumph Thunderbird Sport: Meine aktuelle Maschine seit vier Jahren. Ich kaufte das Motorrad von einem eher klein geratenen Menschen. Die Sitzbank war abgepolstert, der Lenker zu nah an der Bank. Insgesamt empfinde ich die TBS aber als stimmig, wenngleich es sicherlich bessere Alternativen hinsichtlich der Größe gibt. Ich kam auf die TBS vor allem deshalb, weil mir die Guzzi-Strassenmaschinen allesamt zu klein waren. Zwar hat die TBS einen Zylinder zu viel, macht aber nichts. Unproblematisch, schön, toller Motor. Und ein bemerkenswertes Forum.

Triumph Trident 900: Anfang der 90er kam Triumph mit der T300-Reihe aus dem Gebüsch. Die Trident mit ihren Schwestermodellen ist (noch) preisgünstig zu haben, steht qualitativ der TBS in Nichts nach. Passt ebenfalls für Lange.

Dazu schreibt Bobo aus dem Thunderbird-Sport-Forum:
„Ich bin 1,90 und darum passen für mich perfekt die T300ers . Fussrasten tiefer gesetzt, bei Speed Triple, aber nicht unbedingt der langen Beine (oder doch?) wegen, sondern eher altersmässig! Die Knie werden halt doch auch a bisserl morscher. Also die Eisenschweine passen mir am besten.“

Ingo, ebenfalls aus dem Thunderbird-Sport-Forum:
„Meine 193cm passen auch so wie sie sind auf die TBS/Speedy und sieht nicht so Kacke aus wie auf was neumodisches. Glaub ich.
Und alle 100-200km muss Mann, alt, eh mal pischern, auch wenn nichts kommt.

Sven, der 1,93-Meter Bonneville-Blogger, schreibt zu seiner Maschine:
„Also, ich fahre eine Triumph Bonneville von 2007. Also eher eine kleinere Maschine. Auch ich habe mich an Lenker, Rasten und Sitzbank gemacht und sitze und fühle mich auf der Bonnie pudelwohl. Mir hat man mal gesagt, dass die für meine Größe zu klein wäre. Der Herr wollte mir allerdings seine Speedmaster verkaufen 😉 Als Werkstatt-Motorrad hatte ich mal eine Street Triple, da hatte ich zu Anfang extreme Probleme, meine Beine und vor allem die Füße („nur“ Schuhgröße 45) unter zu bringen. Ich war dann heilfroh, als ich meine Bonnie wieder hatte.
Auf den Triumph Pressetagen konnte ich mich mal durch die Modellpalette von Triumph fahren. Natürlich ist so etwas wie die große Tiger Explorer „passgenauer“, finde ich aber langweilig. Die Thunderbird passt natürlich auch viel besser für meine Größe, aber die ist ja nur zum Geradeaus-Fahren geeignet. Dort bin ich dann noch mal eine Street Triple gefahren. Das ging dann nach einigem Eingewöhnen doch ganz gut. Grundsätzlich habe ich noch kein Motorrad gesehen, dass so gar nicht passen würde.“

Marcster, ebenfalls mit 2,01 Meter ein Riese aus dem Thunderbird-Sport-Forum, schreibt:
„Mein Geheimnis ist möglichst weit nach hinten zu rutschen. Ich hab aber auch auf Stummel umgebaut und eine Fussrasten-nach hinten/unten Verlegung. Außerdem ne Corbin Sitzbank, die mich auch nach hinten rutschen lässt.“
Marcster zur Ducati Monster:
„Allerdings falte ich mich auch auf ne Monster. Und Ducati’s gelten ja nun nicht gerade als für „normale“ Menschen gebaut.
Geht alles! Sieht vielleicht n büsschen komisch aus, aber ich muss es ja nicht sehen!
Zur Schräglagenfreiheit schreibt Marcster: „Ich muss meine Latschen immer nach Hinten auf die Rasten nehmen, wenn ich zu weit runter komme. Nervt, aber was willste machen.“

Der Dritte im Bunde der Thunderbird-Sport-Forumisten ist Micha, alias TBSXYZZZ:
„Also mir „passt“ die TBS eigentlich nicht wirklich, was die Beine betrifft. Ansonsten schon.
Knieschluß am Tank? Fehlanzeige. Die Knie bruzzeln irgendwo am Zylinderkopf. In die Sicken des Tanks komm ich nicht ohne balleteuse Einlagen und der Kniewinkel zwickt ab und an in den vom Volleyball zerstörten Menisken des Knies.
Blöd ist, wenn die Rasten in Kurven aufsetzen. Da weiß ich manchmal nicht, wohin mit den Gräten
Bin aber auch nur 1,97 groß, vielleicht liegt es daran…..
Letztendlich aber auch „wurschd“. Hab mich dran gewöhnt.“

Dazu sei angemerkt, dass der Tank mit seinen Ausbuchtungen ab Werk unpassend gestaltet ist. Auch normalgroße Menschen haben die Knie unterhalb des Tanks hängen.

Igge, auch Thunderbird-Sport-Forum:
„Fahre eine TBS 2004 und bin 1,90 und habe schon das Gefühl, dass ich auch gerne die Beine weniger angewinkelt hätte. Habe bislang keine Umbauten vorgenommen, tiefere Fussrasten sind sicher, was den Kurvenspaß angeht, nur bedingt zu empfehlen – verstellbare sehr teuer. Eine höhere Sitzposition (Bank) wäre ratsam, verschlechtert aber das Fahrverhalten aufgrund des ja bei größeren Personen eh schon hohen Schwerpunktes.
Lange Rede kurzer Sinn – es gibt für große Menschen nichts wirklich gutes aus dem „Retro-Bereich“. Am besten saß ich auf ner Kawa Versys 1000…aber die schaut halt scheiße aus!“

Volker alias seitwaerts, 2,06 Meter groß, verfügt über eine beeindruckende Liste an Erfahrungen mit unterschiedlichen Maschinen. Darunter auch etliche Mopeds. Also echte Mopeds! Er schreibt:

„Es gibt eine Suzuki GS1100G, bis auf den Superbikelenker original. Ich bin sie auch schon mit Original-Lenker gefahren, der geht gar nicht. Eine geänderte Rastenanlage flog runter, weil ich immer mit den Soziusrasten und den Koffern kollidiert bin. Solo und ohne Koffer fahre ich meist mit den Füssen auf den Sozius-Rasten.
Ansonsten ein paar 50er: NSU Quicklys und eine Hercules 222MF. Mit beiden fahre ich auch Touren. Die Quickly passt sogar ganz gut zu mir, weil das ein recht langes Moped ist.
Aktuell dazugekommen ist ein BWM R69S Gespann. Eine winzige Maschine, in den KALI-Beiwagen passe ich nicht rein. Aber sehr schön zu fahren.
Und dann wartet seit ein paar Jahren noch eine Dnepr MT12 auf ihre Restauration. An der haben wir damals das Boot 35cm länger gemacht, damit ich auch reinpasse. Die passt insgesamt recht gut zu mir.
Für die Dnepr gibt es im Übrigen passendes Leder von Alne, das wurde speziell auf die dortige Sitzhaltung geschneidert, ist auf Solomaschinen wenig erträglich, sollte aber auf der R69S passen, die Sitzhaltung ist ja sehr ähnlich.
So, wie sehen meine Erfahrungen mit diversen Motorrädern aus?
Erstmal: Stufensitzbank, und sei es noch so schwach gestuft, geht garnicht.
Eine Kawasaki 250 Eliminator wurde ihres Soziusbrötchens beraubt, und mit Stummellenker versehen. Hat Spass gemacht, ging aber in der Stadt gar nicht.
Bei Freunden kann ich mich in einer grossen Sammlung von alten japanischen Motorrädern bewegen, so runde 50 Stück. Hauptsächlich Softchopper von Kawasaki und Suzuki.
Die erste Maschine, die wirklich passte, war die CBX. Da passt sogar die Höhe der Scheibe. Sehr entspannt zu fahren, feines Reisemopped.

Alles andere, inklusive Wasserbüffel und Wankel-Suzi sind Mopeds unter mir. Wobei die Wankel mal richtig Laune macht!
Suzuki GS1100G EML-Gespann. Da bin ich im Beiwagen mitgefahren. Grausam. Die Knie waren immer draussen, turnen war Schwerstarbeit, von gemütlichem Reisen keine Spur, kein Platz für meine Füsse.
Eine KTM LC4 in Standardhöhe… ein lächerliches Moped.
Eine Suzuki DR 650… ah, ja, das passt schon besser, aber immer noch keine durchgestreckten Beine. Ankicken geht auch, wenn ich sie unter mir habe.
SR500, Serienzustand… naja. Macht man halt, weil es ein Kult-Mopped ist.
BMW R100 RT mit Behördenscheibe. niedliches Moped. Scheibenhöhe passt grad so. Mit Koffern für mich nicht fahrbar.
BMW K1100LT… mit Stufensitzbank… Scheisse! was denken sich die Münchner dabei? Die Scheibe ist selbst mit hochgefahrenem Spoiler zu klein, die Knie liegen innen auf den Schliessfächern auf, die Füsse berühren nicht die Rasten. Und dann sollst Du anhalten… Gruselig, und sehr gefährlich… Wurde dann aufgepolstert, ging immer noch nicht.“

Umbaumöglichkeiten

Sitzbank-Rasten

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder lässt man die Sitzbank beim Sattler aufpolstern, oder man baut tiefere Rasten an. Das Aufpolstern ist, so habe ich es erfahren, für den Sattler offensichtlich anspruchsvoller als das Abpolstern. Ich bin zwei Wochen mit einer aufgepolsterten Bank gefahren. Das Fahrgefühl war dem Ritt auf einem Kamel nicht unähnlich. Der Kontakt zur Maschine wurde schwammig, das Popometer bekam kein Signal mehr vom Asphalt. So ließ ich die Sitzbank wieder zurückbauen und entschädigte den Sattler unverrichteter Dinge für seine Mühen. Der Experte des Polsterfachs merkte noch an, dass meine Maschine für mich sowieso zu klein sei und hatte als abschließend noch den BMW-GS-Tipp. Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen.

Am liebsten fahre ich mit meiner sehr knapp gepolsterten Ein-Mann-Höckersitzbank.

Grundsätzlich sind Motorräder auch nicht so gebaut, dass der Fahrer einfach 6 cm oder mehr höher sitzen sollte. Die Gesamtergonomie leidet enorm darunter. Der vielbeschworene Knieschluss ist nur noch bedingt möglich und – aus meiner Sicht gravierender – sitzt man mehr auf als in der Maschine. Die Einheit, die Motorrad und Fahrer bilden, ist so nicht mehr optimal möglich. Um den Kniewinkel nicht zu spitz werden zu lassen, bleibt fast nur die Tieferlegung der Rasten. Beispiel Triumph Thunderbird Sport: Die Originalrasten haben einen Durchmesser von gut und gerne 5 cm. Tauscht man die dicken Gummiwürste gegen filigranere Exemplare mit einem Durchmesser von 3 cm  aus blankem Metall und setzt diese 3 cm tiefer, so ist die Unterseite der Raste gerade mal  2 cm tiefer als das Original. Weil die Zubehörraste zudem etwas kürzer baut und am Ende angeschrägt ist, leidet die Schrälagenfreiheit so gut wie nicht. Immerhin reicht es noch, um die gesamten Schissnippelreihen der Reifen in den Asphalt zu massieren. Die Fraktion der Supersportlerzwerge kann jetzt meinungsmäßig abtauchen, will keiner wissen, was für Schräglagen gefahren werden. Problematisch sind nur noch übergroße Füße.

Wenn die Raste tiefer sitzt und die Latschen Ruhe gefunden haben, ist die Stiefelspitze in der Kurve schnell mit dem Asphalt in Konflikt. Es gibt die einen oder anderen Touren- oder auch Endurostiefel mit Metallbesatz, auch dieser löst sich aber bei engagierter Fahrweise auf. Neben einem beindruckenden Funkenflug bleibt nicht viel übrig. Das einzige, was hilft, ist eine etwas aktivere Fahrweise. Vor der Kurve die Stiefelspitze auf die Raste und Ruhe ist. Man gewöhnt sich dran. Letzten Sommer habe ich in den Alpen die Spitzen meiner schönen IXS-Tourenstiefel dem Gott der Schräglage geopfert. War auch nicht so schlimm, so läuft das Wasser bei Regen besser wieder ab.

Rasten_TBS
Tiefere Fußraste an meiner Triumph. Für viele gängige Modelle erhältlich.

Die Annahme, dass für große Leute der Lenker zwingend höher gelegt werden sollte, kann ich absolut nicht bestätigen. Langen Armen wird man eher durch einen tieferen Lenker gerecht. Ich hatte zunächst den Standardlenker mit tieferen Risern (oder Lenkerböcken) versehen. Hier hatte das Forum passende Tipps geliefert. Aktuell fahre ich mit Stummellenker, der beliebig eingestellt werden kann. Ich rate dringend dazu, auf möglichst große Verstellbarkeit zu achten. So wird man nicht nur der Armlänge gerecht, sondern kann auch noch die Kröpfung individuell anpassen. Der Anbau ist sicherlich vergleichsweise aufwändig, weil eventuell Züge, Leitungen und Kabel verändert werden müssen, aber es lohnt sich.

Anbieter sind z.B. Waigl aus Klingsmoos, bekannt als Telefix. Gilles, Tommaselli und nicht zuletzt LSL bieten abenfalls hochwertige Ware. Auf Auktionsplattformen werden sehr preisgünstige Varianten gehandelt, denen aber die notwendige Zulassung fehlt. Der Umbau eines Lenkers führt zum Erlischen der Betriebserlaubnis. Da hilft entweder eine ABE oder eine Eintragung in die Papiere, die wiederum nur mit Mustergutachten des Herstellers zu bekommen ist. Somit muss man sich über die chinesischen Varianten aus dem Web keine Gedanken machen. Im bürokratischen Deutschland wird einem auch hier das Nachdenken abgenommen.

Fazit

Für übergroße Menschen sind diverse Kompromisse nötig. Bestimmte Aktivitäten bleiben verborgen. In ein Segelflugzeug passe ich nicht. Kajüten in Segelbooten sind zu klein. Kajaks passen nicht und Theaterbestuhlungen sind die Hölle. Auf Konzerten mit Stehplätzen muss man sich beschimpfen lassen. Man glaubt nicht, was kleine Menschen für eine große Schnauze haben können. Immerhin ist Motorradfahren möglich. Und die Auswahl ist größer als beispielsweise auf dem Automarkt. Und: Bloß nicht entmutigen lassen. Egal, ob es stimmig aussieht. Bei wem sieht es schon stimmig aus? Hauptsache, es fühlt sich vernünftig an.

Die Serienhersteller haben den Blick für Leute über 1,95 Meter nicht. Der Aufwand für eine Anpassung wäre zu groß, die Kosten zu hoch. So trägt man als „Langer“ eben die Kosten selbst, sucht sich auf dem Zubehörmarkt das Passende aus. Das ist übrigens auch ein Tipp für alle „Normalgroßen“. Abhängig von Proportionen und Vorlieben kann ein kleiner Umbau, der den Lenker ein paar Zentimeter versetzt, oder eine andere Sitzbank, den Fahrspass enorm erhöhen. Tests in den gängigen Fachblättern widmen sich dem Thema nur unzureichend. Alles, was dem Ergonomiedurchschnitt entspricht, wird als komfortabel angepriesen. Optionen werden nicht diskutiert. Eine Maschine ist für den Einen die Hölle, der Andere schwebt damit auf Wolke 7.

Demnach kann man sich als Riese nicht einfach auf eine Maschine setzen und behaupten, dass sie nicht passt. Sagt einem ein Modell besonders zu, schaut man nach, wie aufwändig eine Anpassung ist. Rasten schlagen mit ca. 100 bis 120 Euro zu Buche, ein normaler Lenker kostet zwischen 45 und 70 Euro. Stummellenker überschreiten als verstellbare Variante schon mal die 300-Euro-Grenze, sind aber auch deutlich günstiger zu bekommen. Ich habe einen gebrauchten Waigl-Telefix aus dem Forum erstanden. Polsterarbeiten an der Sitzbank gehen bei etwa 100 Euro los, hier schwankt der Preis stark abhängig vom Aufwand. Somit wird vielleicht sogar ein Motorrad zum Liebling, das man eigentlich aufgrund seiner Größe nicht in Betracht gezogen hat.

Zu kurz statt zu lang?

Auf der Website von motorrado sind Tipps für Menschen zu finden, denen die meisten Motorräder zu groß statt zu klein sind.

Dieser Beitrag ist als Infoquelle gedacht, die laufend angepasst wird. Tipps, Tricks und Empfehlungen von Lesern sind erwünscht und werden gerne ergänzend aufgenommen.

12 Kommentare zu “Motorräder für große Menschen. Lösungen für 2-Meter Leute”

  1. Ich bin in der Zwischenzeit auch schon einiges zur Probe gefahren, komme aber immer wieder auf meine F800GS zurück. Die passt für mich ohne Anpassungen. Heute bin ich neben einer R1200R , mit niedriger Sitzbank -ging gut- eine R1200GS gefahren. Da hatten die Beine natürlich ganz anders Platz, aber auch wenn es das Schweizer Taschenmesser unter den Motorrädern sein soll, ich werd mit ihr nicht recht warm. Irgendwie hat sie was langweiliges, autohaftes. Ist jetzt mein Eindruck. Der steht völlig abseits davon, dass das sicher eine ansich tolle ausentwickelte Maschine ist.
    Im letzten Sommer bin ein paar Tage mit der Triumph Scrambler unterwegs gewesen, die hat auch für mich gepasst, obwohl sie für mich „eigentlich zu klein“ ist.
    Es ist immer eher eine Frage, auf und mit was man sich wohl fühlt.
    Bei den Klamotten allerdings, besteht meine Garderobe zum großen Teil aus Herrenklamotten. Weil für Frauen mit einem Meter Neunzig wird es echt dünn. Da sind sie tatsächlich eher auf 1,68m ausgelegt…

    1. Hallo Minya,
      „Es ist immer eher eine Frage, auf und mit was man sich wohl fühlt.“ Sehe ich auch so. Mit 1,90 Meter und passenden Größen für Frauen scheinen die Probleme ähnlich zu sein, wie bei Männern über 2 Meter. Es findet sich immer etwas, man muss nur länger suchen.

      1. Hallo Serge!
        Das stimmt. Und man bekommt beim Suchen nach Klamotten immer wieder lustige Antworten. So hat man mich von Louis in Darmstadt zu einem Laden in der Pampa geschickt, mit den Worten „Da schicken wir alle unsere hoffnungslosen Fälle hin!“
        Beim Motorrad finde ich wichtig, dass man ohne vorherige Präferenzen oder Ablehnungen es angeht. Ich wollte auch vorher eigentlich keine BMW haben, aber dann hat ausgerechnet bei denen eine am besten für mich gepasst. Und gerade als Frau sollte man keine Berater mitnehmen. Das gilt aber für alle, denke ich.

        1. Hallo Minya,
          bist Du in dem Laden „für hoffnungslose Fälle“ fündig geworden? Wäre noch interessant, welcher Laden das ist. Und die BMW ist sicherlich nicht die schlechteste Wahl.

  2. Super Zusammenstellung. Ich bin ca. 2,08 lang, und habe etliche Motorräder gefahren. Am Besten passte die alte Yamaha XJ 900, welche jedoch ein hundsmiserables Fahrwerk hat. An allen anderen Motorrädern durfte ich rumbasteln, habe die Sitzbänke aufgepolstert, oder gleich auf Schwingsattel umgerüstet, und soweit möglich die Lenker umgebaut. Die besten Erfahrungen habe ich dabei mit verstellbaren M-Lenkern gehabt. Die gezeigten tiefergelegten Fussrasten kann ich nur bedingt empfehlen. Durch das Versatzstück wandern die Füsse automatisch nach aussen, sodass sowohl Schalt- als auch Bremshebel nur noch mit eingedrehtem Fuss betätigt werden können. Der Kniewinkel jedoch wird durch diese Fussrasten erheblich entschärft.

    Motorradkleidung ist mitunter ein absolutes Trauerspiel. Nebenbei habe ich auch noch Schuhgrösse 51 und Hände im 5XL-Format. Witzigerweise gab es vor 30 Jahren bei den Jacken und insbesondere Hosen weit weniger Probleme wie heutzutage. Ich war damals Fan von Wachskleidung, und die passte bombig.

  3. Erstmal… toll gemachter Blog – mit meinen 1,97m fühle ich mich sofort angesprochen. Habe auch eine Menge Motorräder besessen und am allerwenigsten darüber nachgedacht wie es wohl aussehen könnte.

    Als ehemaliger Mitarbeiter eines BMW- und Kawasaki-Händlers in den 90ern konnte ich eine Menge ausprobieren.
    Das Motorrad was ergonomisch wie für mich gemacht war ist die alte BMW K 1100 RS – sicherlich keine Schönheit, aber alles ist dort wo es hingehört und es passt einfach!

    Zur Zeit fahre ich eine Ducati ST2 mit umfangreichen Modifikationen wie Corbinsitzbank, Superbikelenker, Änderung der Verkleidung auf Halbschale im Supersport-Look. Die kneift mittlerweile etwas in den Kniekehlen, ansonsten nicht schlecht für eine Ducati.

    Eine 94´er Kawasaki KLE 500 gehört ebenfalls zum Fuhrpark und die passt hervorragend.

    Nun soll eine Moto Guzzi California EV her und ich denke auch die bekomme ich an meine Grösse angepasst.

    Kleidung geht bei mir glücklicherweise gerade noch, da ich recht schlank bin….einige Hersteller bieten da extra lange, schlanke Grössen und so habe ich immer etwas passendes gefunden.

  4. Hey, super geschrieben habe es sehr interessiert geschrieben und kenne die Probleme, speziell das mir jeder Vollhorst ne GS empfiehlt. Ich bin zwar mit meiner 1,95m relativ am Anfang von groß aber durch die langen Beine doch sehr eingeschränkt wieder und ne GS ist absolut nicht meins. Bin die auch mal Probe gefahren aber kein Gefühl gehabt. Bisher bin ich ganz gut mit der Yamaha TDM klar gekommen, Triumph Tiger, Yamaha MT-09, Z1000 und Duc ST2. Mir ist wichtig das ich mich wohlfühle und mit der Maschine „verschmelze“, manchmal guck ich schon im Schaufenster und denke mir dann „Man hast du nen geilen Bock“ 😉

    Da ich ja ein sehr vorbildlicher Fahrer bin; ähh nicht; habe ich mit meiner Jeans, Sneaker 48/49 und Pullover nicht so die Probleme, auch wenn frisch wird die Jacke nicht. Kurze Handschuhe bislang auch nicht. Fahre zwar vorausschauend aber wenn mich wirklich der liebe Gott holen will, hilft mir die Textilkleidung auch nicht.

  5. Also diese proleme sind mir alle auch ziemlich bekannt ! Ich bin 2,09m und nicht der schlankeste .

    Ich habe nun Zuhause eine Varadero xl1000v , sitzbank 8 cm aufgepolstert und zu einer durchgehenden Bank modifiziert.

    Als Gegenstück eine Intruder Vzr m1800r
    Mit 22cm vorverlegten und umgebauten Heck so geht das ganz gut .

    Hose ja da hat mir ein Schneider noch 12cm dran geneht .
    Nur Handschuhe sind ein ganz böses Problem , und habe bis zum heutigen Tag nicht wirklich was gefunden . Selbst auf der Motorradmesse Dortmund fand ich keinen hersteller.

  6. Hi,

    super geschrieben! Habe mich in vielem wiedergefunden. Und ein paar sehr hilfreiche Links und Tipps sind auch dabei. Ich bin nur 198cm groß aber kräftig gebaut. Ich fahre mittlerweile meine 3te GS (1x 1100er 2x 1150er). Bin auch schon ne Transalp und ne FJ1200 gefahren. Alles tolle Moppeds. Aber die GS ist mein Ding. Liegt wohl auch daran, dass meine Knie sehr „Kniewinkelempfindlich“ sind. Ich habe ne hohe KAHEDO-Bank, darunter noch ne Aluerhöhung 2cm. Und Rasten von Q-Tech sind 1,5cm Tiefer. Da schleift in Verbindung mit dem straffen Öhlins aber nix. Schiebe die Zehen (Schuhgröße 47) vor der Kurve aber auch seit Jahren auf die Raste. Stiefel von Daytona passen zum Glück auch noch bei Schuhgröße 47. Ich trage eine BMW Atlantis 4 Hose in 62. Die wurde vom Vorbesitzer mal um 10cm verlängert und von mir nochmal. Nicht über BMW, sondern direkt über MEINDL (den Hersteller). Hat mich 150 Euro gekostet. Jetzt ist sie perfekt. Der ATLANTIS-Anzug (Jacke passt mir leider nicht) ist wie ne zweite Haut und vor allem absolut wasserdicht. Kann ich nur empfehlen. Obenrum trage ich ne Reusch TX4. Die ist in Verbindung mit der Kapuze auch wasserdicht. In allen Jacken sind die Protektoren im Rückenbereich eigentlich immer zu kurz. Also raus damit und einen separaten Rückenprotektor drunter tragen (meiner ist von Super Shield). Handschuhe sind ein echtes Problem. Immer zu eng oder zu kurz. Für den Sommer kaufe ich immer Billigteile bei Polouise und reisse das Innenleben raus. Dann gehts 🙂

    1. Hallo Andreas,
      Danke für die Hinweise. Was im Beitrag nicht behandelt wurde, ist „Ändern“ statt „Maßschneidern“, ein extrem guter Hinweis. Handschuhe gibt’s nicht passend? Das Herausnehmen des Innenlebens bei den Handschuhen ist schon eine deftige Maßnahme. Meine Pranken sind glücklicherweise halbwegs in der Norm, über Handschuhe habe ich mir darum wenig Gedanken gemacht.
      Nochmal Danke für die Tipps!
      Serge

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