Lesen wie Gott in Frankreich

Zeitschriftenregal in Frankreich

In Frankreich erscheinen eine Reihe Motorradzeitschriften, die allein wegen der Fotos und der Gestaltung einen Blick wert sind. Sprachkenntnisse sind hilfreich, aber für den Genuss nicht erforderlich.

Ich stehe an der französischen Supermarktkasse. Die Kassiererin lächelt mich an und sagt etwas zu mir. Ich schaue hilflos. Sie schaut irgendetwas zwischen aufmunternd und verwundert. Ihr Blick wandert zwischen meinen Einkäufen und meinem fragenden Gesicht hin und her.
Genau in dem Moment, in dem ich endlich ihren Wunsch nach passendem Kleingeld verstehe, greift mein Gegenüber seufzend in die Kasse und gibt mir mein Wechselgeld in Form einer guten Handvoll kleiner Münzen heraus. Ihr Abschiedslächeln trägt einen Hauch von Verzweiflung. Schließlich habe ich den halben Einkaufswagen voller französischer Motorradmagazine. Dass die jemand kauft, der kaum französisch spricht, ist schließlich nicht unbedingt zu erwarten.

Ich mache das allerdings regelmäßig. Zum einen bin ich ein eher visuell orientierter Mensch und eine Zeitschrift mit schönen Bildern setzt bei mir Kaufimpulse, bevor ich auch nur registriert habe, dass ich die Texte gar nicht verstehe. Zum anderen ist das Zeitschriftenregal des nächstliegenden linksrheinischen Supermarkts erstaunlich prall gefüllt mit Magazinen, die jeden Anspruch des motophilen Lesers erfüllen wollen.

Cafe Racer MagazinIm Bann der Bilder

Bei unseren Nachbarn im Land der Liebe, des guten Essens und der Mode gibt es eine Reihe motorradorientierter Livestylemagazine, für den man den Begriff „Motoporn“ erfinden müsste, wenn es ihn nicht schon gäbe. Allen voran sei hier das „Cafe Racer Magazin“ genannt. 180 Seiten Augenschmaus alle zwei Monate. Berichte über Events und Umbauten. Portraits von mehr oder weniger bekannten Customizern, Handwerkern und Dienstleistern. Dazu Erlebnisberichte über Touren und jede Menge Veranstaltungshinweise. Alles in bester haptischer Qualität (mit zwei Sorten Papier!), großzügig illustriert mit herrlich ästhetischen Fotos. Ganzseitige Bilder, mehrseitige Fotostrecken mit extrem sparsamen Bildunterschriften sind eher die Regel als die Ausnahme. Übrigens gelingt es den Machern des Cafe Racer Magazins ausnahmslos, auch das Thema „dekorative Frauen plus Motorrad“ so cool umzusetzen, dass jede Sexismusdebatte unangemessen wäre. Es ist so einfach: Die Damen tragen motorradaffine Kleidung und gehen selbstbewußt mit den Maschinen um. Sie sind schön, drücken aber auch etwas aus, was die Szenerie unterstreicht. Und niemals käme Mann auf die Idee, diese Ladies als „die beste aller Sozias“ zu bezeichnen. Diese Frauen fahren selbst. Dass es vom Cafe Racer Magazin immer mal wieder großartig gestaltete Sonderausgaben gibt, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Für Männer

Interessant auch MOTO HEROES. Hier geht es per Definition um Männer und Motorräder. Männer, die zeigen, was sie gebaut haben oder was sie mit Motorrädern anstellen. Männer, die aus irgendeinem Grund in irgendeiner Weise stilprägend sein sollen. Was auch immer, inspirierend ist die Bilderflut, die sich auf den ca. 250 Seiten erleben lässt, allemal. Auch MOTO HEROES bringt ab und an schöne Sonderausgaben zu speziellen Themen, etwa zu Customizer-Garagen rund um die Welt.

Moto Heroes

Für Frauen

Worauf Deutschland noch warten muss, ist bei unseren Nachbarn bereits erschienen. Ein Motorrad Lifestyle Magazin für Frauen! „Femme & motarde“ geht unser Lieblingsthema von der weiblichen Seite an. Und dabei geht es ganz ohne Männerfeindlichkeit um Themen wie urbane Mobilität auf zwei Rädern, das Ende des Amazonenklischees der motorradfahrenden Frau, die Wahl der Ausrüstung und des Motorrades und – ganz und gar unbefangen – natürlich um Mode und Accessoires für die Lady auf dem Bike.

Für alle

Gefallen hat mir außerdem noch das R.A.D. Magazine. R.A.D. für Radical – Authentique – Différent. 100%ig wird das Versprechen nicht eingehalten und ganz so durchgestyled wie die oben genannten Magazine ist das Blatt auch nicht. Aber auch hier wird Wert gelegt auf ein abwechslungreiches Layout, gute Bilder, die gerne auch mal über eine Doppelseite gehen und den inhaltlichen Schwerpunkt: Motorrad erleben.

Weitere Recherchen im Supermarktregal werden folgen. Übrigens hilft die Google-Übersetzer-App ganz hervorragend beim Verständnis der Texte, wenn nur partielles Sprachverständnis vorliegt. Garantiert ist der Unterhaltungswert, insbesondere, wenn man sich die übersetzten Texte vorlesen läßt:

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