Built not Bought und Twins meet Classics – Ersterfahrung auf der Rennstrecke

Vom 1. Juni bis 5. Juni fand in diesem Jahr wieder das Built not Bought (BnB) mit anschließendem Twins meet Classics (TmC) statt.

Nachdem ich mich bereits im März für das Training beim Twins meet Classics angemeldet hatte, hoffte ich, dass noch irgendetwas dazwischenkam, was meine Teilnahme unmöglich machte. Kam es aber nicht. Ich wollte kneifen. Mit Ahnungen von Verletzungen, Halbirren, unnötigen Gefährdungen und ausgelebtem Jagdtrieb auf zwei Rädern machten sich bei mir Visionen breit, die mit meinem bisherigen Verständnis vom Motorradfahren wenig zu tun haben.

Gekniffen habe ich nicht.

Mit meiner Triumph auf dem Anhänger fuhr ich am Samstag im Ruhrgebiet los und kam am späten Nachmittag bei wolkenbruchartigen Schauern an der Strecke im Niemandsland an. Die aktuellen Trainingsläufe beim BnB waren gecancelt, der Bierstand hatte geöffnet und ich ließ den Abend bei vielen Gesprächen und Staunen über die zum Rennen gepimpten Maschinen ausklingen. Am Sonntag starteten die Rennen nach Plan, der Himmel war wieder blau. Besonders beeindruckend: Die Klasse der Trackoiler. Maschinen mit historischem Wert, überwiegend prächtig patiniert, lieferten sich ein mehr als ansehnliches Rennen. Bemerkenswert sind die Rundenzeiten, die die Schnellsten dieser Klasse der Betagten in den Asphalt kratzen. Das hat nichts mit gewienertem Museumsgedöns zu tun. Die Fahrer quetschen ihre Maschinen aus, artgerechte Behandlung auf dem Weg zu geschliffenen Rundenzeiten. Schön anzusehen, hat das doch nichts gemeinsam mit Oldtimerausfahrten Hochglanzpolierter.

Auf dem ganzen Gelände wird geschraubt, geklönt, gelacht. Die Community hat einfach Spaß an sich selbst. Die Besitzer der Maschinen legen selbst Hand an, es sind so gut wie keine Motorräder von der Stange zu sehen. Fast auschließlich sind es alte Schätzchen, denen ein Trainingsanzug verpasst wurde. Immer mit modernen Sohlen, gefahren wird in Rennkombi, auch die 1932er BMW R5, die das Rennen der Trackoiler gewonnen hat. Hier gilt Sicherheit vor Tradition.

Die Philosophie des BnB treiben die Trackoiler auf die Spitze, werden aber von den anderen Klassen in gleicher Weise gelebt. Im Vordergrund steht eigenhändig Umgebautes und Angepasstes älterer Baujahre, vertreten sind alle vergangenen Dekaden bis hin zu ganz wenigen wirklich neuen Maschinen, die eher der Neo-Retro-Welle zuzuordnen sind. Insgesamt sind 12 Klassen vertreten, davon zwei mit Seitenwagen. Die Ergebnisse der Rennen und die Klasseneinteilungen sind zu finden unter https://my4.raceresult.com/89977/results?lang=de

Nach den Rennen hatte ich mich gefragt, was ich als Rookie auf dem Ring soll. Die Frage konnte ich abends bei einem Sixpack mit meinem Zeltnachbarn, der auf seiner 72er Norton aus Hannover anreiste, tiefgründig erörtern. Wir rollten noch zur technischen Abnahme, bekamen als Belohnung eine Flasche Zwickel im Kurvenrausch-Outfit, die wir als Add-On zum Sixpack ihrer Bestimmung zuführten. Die Stimmung war perfekt, aufgeregt wie kleine Jungs hauten wir uns zu später Stunde in die Zelte. Morgens Frühstück und Briefing, danach in die Klamotten und den Ausführungen des Instruktors gelauscht. Kurz nach Zehn ging es dann zum ersten Turn auf die Piste. Schwein gehabt mit der Gruppe, das Tempo passte perfekt.

Anfangs schon zügig steigerten wir uns über den ersten Tag.

Der zweite Tag verlief ähnlich, eine kurze Nacht und etwas unterentwickelte Kondition forderten allerdings ihren Tribut. Nach dem Mittagessen lichteten sich die Reihen, es gab mehr Platz, um noch mehr auszuprobieren.

Gefühlt waren wir sauschnell unterwegs, objektiv betrachtet aber noch mehr als eine Schüppe von dem entfernt, was die Built not Bought-Teilnehmer zeigten, die auch zum TmC blieben und in der schnellen, freien Gruppe unterwegs waren. Trotzdem: Eine unbedingt lohnende Erfahrung, die Lust auf mehr macht.

Wir werden im nächsten Jahr wieder dabei sein.

Meine anfänglichen Skrupel konnte ich ausnahmslos in die Tonne der unberechtigten Bedenken stopfen. Keine Raser, keine Profilierungssüchtigen, perfekte Streckenverhältnisse. Gefahren wird in kleinen Gruppen, mit oder ohne Instruktor, schnell oder gemäßigt, ganz so, wie es passt. Die Schnellen lassen die Langsamen walten, die Langsamen gucken sich bei den Schnellen einiges ab.

Perfekte Stimmung, perfekte Organisation, perfekte Rahmenbedingungen. Ein idealer Einstieg für Rennstreckenneulinge, die sich frei von übermotorisierten Tieffliegern den eigenen Grenzen des Fahrkönnens und den Grenzen der Maschine nähern wollen.

Infos zum Built not Bought und Twins meet Classics gibt es unter www.racecafe.berlin

Video Trackoiler, Le Mans-Start der Café Racer und Fahreindrücke vom TmC

4 Kommentare zu “Built not Bought und Twins meet Classics – Ersterfahrung auf der Rennstrecke”

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